Details
Study title
Security 2012. Trends in the formation of opinion on foreign, security and defense policy in Switzerland
Ref study 11062
Study language German
Contributing institutions
Authors
Keywords
  • Armée
  • Aussenpolitik
  • Sicherheitspolitik
  • Neutralität
  • Sicherheit
  • Militär
  • Vertrauen
  • Strategische Kultur
Disciplines
Period
2012
Geographical space
Schweiz
Country
  • Switzerland
Abstract
The annual "Security" survey jointly conducted by the Military Academy at ETH Zurich (Swiss Federal Institute of Technology Zurich) and the Center for Security Studies of ETH Zurich serves to determine trends in the opinion-making of foreign, security and defense policy in Switzerland. It is based on representative surveys of the Swiss electorate, carried out on an annual basis. Apart from a core of questions always included or in irregular intervals, there are also always some questions about current issues of security policy. In 2012, special attention was paid to measures to maintain homeland security, strategic culture, compatibility of military service and professional life, as well as naturalized Swiss' attitude toward military service.
Results
Allgemeines Sicherheitsempfinden und Vertrauen
Im Januar 2011 konnte beobachtet werden, dass in der Stimmbevölkerung die Wahrnehmung einer sicheren Schweiz in einer unsicheren Welt überwiegt. Daran hat sich auch im Januar 2012 nichts geändert: Im langjährigen Vergleich fühlen sich im Januar 2012 ausgesprochen viele Befragte sicher (90%), die Entwicklung der weltpolitischen Lage wird von überdurchschnittlich vielen als düster eingeschätzt (53%) und auch die Wahrnehmung einer optimistischen Zukunftsentwicklung der Schweiz verbleibt trotz eines signifikanten Rückgangs auf einem hohen Niveau (78%, -6%). Das Vertrauen in die Schweizer Institutionen und Behörden ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Markante Vertrauensgewinne konnten der Bundesrat, das Parlament und die Polizei verbuchen. Damit liegt im Januar 2012 das Vertrauen in die Polizei (7.6, auf einer Skala von 1 bis 10), in die Gerichte (7.0), in den Bundesrat (6.8), in die Schweizer Wirtschaft (6.6), in das Schweizer Parlament (6.2) und in die Medien (5.1) deutlich über ihrem langjährigen Mittel (1995-2012). Das Vertrauen in die Armee (6.3) und in die politische Parteien (5.1) liegt trotz Vertrauensanstieg aktuell im langjährigen Mittel.

Einstellung zur Aussenpolitik
Die Zustimmung zu einer Annäherung (37%) oder gar einem Beitritt zum europäischen Staatenverbund (17%) verharrt auf dem letztjährigen Tiefstwert. Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der EU wird weiterhin auf höchstem Niveau unterstützt (81%). Eine Veränderung wurde in der Bereitschaft gemessen, sich international zu engagieren ohne sich institutionell einzubinden: Die Zustimmung für ein aktives Engagement der Schweiz für Anliegen der Uno (68%, +11%) und für die Erhöhung der Ausgaben für die Entwicklungshilfe (62%, +5%) sind deutlich gestiegen. Die bereits sehr hohe Befürwortung der Neutralität ist nochmals leicht gestiegen (95%, +1%). Zugenommen hat die Unterstützung der Solidaritätsfunktion (93%, +4%) und der sicherheitspolitischen Funktion (66%, +5%), jene der Identitätsfunktion (83%) ist konstant geblieben. Auch wenn das Neutralitätsprinzip in der Schweizer Bevölkerung fest verankert ist, überwiegen dissonante (33%) und pragmatische (27%) Neutralitätssichtweisen gegenüber traditionalistischen (23%). Eine kritische Einstellung zur Neutralität wird von 18% geteilt.

Einstellung zur Verteidigungspolitik
Die Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur Armee bleibt insgesamt stabil, aber ambivalent. Drei Viertel der Bevölkerung erachten die Armee als notwendig (75%). In der Frage der gesellschaftlichen Rolle (notwendiges Übel 45%, zentrale Institution der Schweiz 39%), der Höhe des Verteidigungsbudgets (gerade richtig 46%, zu viel 44%) und der Wehrform (Milizarmee 52%, Berufsarmee 43%) bleibt die Bevölkerung auch im 2012 gespalten. Bei einigen Indikatoren nimmt die Stärke der Einstellung ab: Immer mehr Befragte halten die Armee nur noch für "eher notwendig" und sind mit der Wehrpflicht nur noch "eher einverstanden". Dies deutet auf eine gewisse Indifferenz gegenüber militärpolitischen Fragestellungen.

Fazit:
Wie bereits 2011 zeigen sich bei den Befragten grosse Differenzen in der Wahrnehmung der nationalen und internationalen Entwicklung: Die Schweizer StimmbürgerInnen fühlen sich im langjährigen Vergleich ausgesprochen sicher und zeigen sich betreffend der näheren Zukunft der Schweiz sehr zuversichtlich, beurteilen aber gleichzeitig die internationale Entwicklung skeptisch. Die in diesem Jahr gemessenen Vertrauensgewinne beinahe aller hier erhobenen Schweizer Institutionen stehen wahrscheinlich in Zusammenhang mit dieser Wahrnehmung einer sicheren Schweiz in einer unsicheren Welt. Auch die Einstellung zur Aussenpolitik dürfte in Beziehung zur nationalen Zuversicht bei gleichzeitiger Skepsis gegenüber der internationalen Entwicklung stehen. Der Wunsch nach wirtschaftlicher, politischer und militärischer Unabhängigkeit und die EU-Skepsis bleiben auf dem Rekordhoch des letzten Jahres. Dieses Bestreben nach nationaler Unabhängigkeit wird durch die weitverbreitete Überzeugung genährt, dass die Zukunft unseres Landes hauptsächlich in unseren Händen liege und kaum durch internationale Entwicklungsprozesse tangiert werde. Diese Zustimmung zur Unabhängigkeit der Schweiz darf jedoch nicht als Wunsch nach absoluter Autonomie oder einer internationalen politischen Enthaltung missverstanden werden. Insbesondere im wirtschaftlichen Bereich werden Kooperationen mit der EU befürwortet. Ebenso wird ein Engagement im Rahmen der Uno, bei der internationalen Konfliktvermittlung und in der Entwicklungshilfe wieder stärker gefordert. Einzig in der Frage zur sicherheitspolitischen Kooperationsbereitschaft (militärischer Multi- versus Unilateralismus) bleibt die Bevölkerung gespalten. Die weiterhin praktisch einstimmige Befürwortung des Neutralitätsprinzips und der Akzeptanzgewinn der drei Neutralitätsfunktionen reihen sich ebenfalls in diesen Trend einer zunehmend auf die eigene Nation gerichteten Orientierung ein. Es ist insbesondere die Überzeugung, die Neutralität trage zu unserer Sicherheit und zu unserem Schutz bei, die wieder häufiger geteilt wird. Nichtsdestotrotz scheint die Unterstützung der Neutralität vorwiegend affektiv bedingt zu sein. Die Neutralität hat sich in den Augen der Schweizer Bevölkerung zu einem bewahrenden Wert an sich entwickelt. Die Schweizer Stimmbevölkerung steht prinzipiell hinter der Schweizer Armee. Die Akzeptanz und das Vertrauen in sie liegen im langjährigen Mittel. Seit gut einem Jahrzehnt zeigt sich die Schweizer Stimmbevölkerung bezüglich der Wehrpflicht, der gesellschaftlichen Rolle der Armee und der Höhe des Verteidigungsbudgets gespalten. Daran hat sich auch 2012 kaum etwas verändert.
Methods (description)
Allgemeines methodisches Vorgehen Trendbefragung anhand von jährlich wiederholenden Querschnittserhebungen. Der Fragebogen besteht jeweils aus drei Teilen: a) Fragen, die jährlich gestellt werden b) Fragen, die in unregelmässigen Abständen erhoben werden c) neue Fragen. Präzisierungen zur Datenerhebung: 2012 wurden erstmals Fragen zur Vereinbarkeit von Militärdienst und Arbeitsleben, zum Wehrdienst eingebürgerter Schweizer und zur Strategischen Kultur gestellt. Die Skala zur Strategischen Kultur wurden aufgrund der Komplexität des Forschungsgegenstandes anhand der Rephrasing-Methode bei 10 DeutschschweizerInnen in einem Pretest geprüft. Bei den Items zur Vereinbarkeit von Militärdienst und Arbeitsleben interessierte, ob die Befragten sich in der Lage fühlten, diese Fragen zu beantworten. Hierzu wurde ein einfacher Pretest bei 100 DeutschweizerInnen durchgeführt. Gleichzeitig wurden die BefragerInnen gebeten, Nachfragen der Befragten zu notieren. Nachfolgend zu diesen beiden Pretests wurden die Frageformulierungen optimiert. Letztlich wurden zur Überprüfung der Verständlichkeit aller Fragen und der Interviewführung eine Woche vor der Feldphase zehn Test-Interviews pro Sprache durchgeführt. Die Fragebögen wurden auf Deutsch konzipiert und dann ins Französische und Italienische übersetzt. Im Fragebogen für die Erhebung in der Deutschschweiz wurde die Schriftsprache an die schweizerdeutsche Umgangssprache angepasst. Die erhobenen Einstellungen können durch aktuelle sicherheitspolitische Ereignisse während der Erhebung beeinflusst worden sein: Am 5. Januar 2012 reichte die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) die Volksinitiative "Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht" ein. Vom 16. bis 30. Januar fand ein Einsatz der Schweizer Armee im Rahmen des World Economic Forum (WEF) in Davos statt. Beide Ereignisse warfen jedoch keine medienwirksamen Wellen. Die medienwirksame Diskussion um den geplanten Kauf der Kampfflugzeuge des Typs Saab Gripen intensivierte sich erst nach der Feldphase.
Methods (instruments)
  • Standardised interviews - by telephone
Publications
  • Szvircsev Tresch, Tibor; Wenger, Andreas; Würmli, Silvia; Craviolini, Julie; Vogler-Bisig, Esther. 2012. Sicherheit 2012. Aussen-, sicherheits- und verteidigungspolitische Meinungsbildung im Trend. Birmensdorf und Zürich: Militärakademie an der ETH und Center for Security Studies, ETH Zürich. Online: http://www.css.ethz.ch/sicherheit
  • Craviolini, Julie; Szvircsev Tresch, Tibor. 2012. Militärdienst und Arbeitsleben - Wahrnehmung der Vereinbarkeit. Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift ASMZ, Nr. 07/2012.
Financed by
Study type
Data availability
Source (Updates) Web
Date created 05.09.2017
Date modified 30.11.2017
Start - End date 01.10.2011 - 28.05.2012