Details
Study title
Between traditional medicine and primary health care: Changes in the local health care in rural areas of the Minahasa (North-Sulawesi, Indonesia)
Ref study 1663
Study language German
Contributing institutions
Authors
Keywords
  • Gesundheit
  • Gesundheitsverhalten
  • Indonesien
  • Gesundheitsversorgung
  • Medizinischer Pluralismus
  • @kfpe
Disciplines
Period
1987 bis 1995
Geographical space
Minahasa-Halbinsel und Sangihe-Talaud-Archipel (Provinz Nord-Sulawesi, Indonesien)
Country
Abstract
- Erforschung des heute existierenden traditionellen Medizinsystems der Minahasa, unter anderem: präventive, diagnostische und kurative Massnahmen (mit Hauptaugenmerk auf Malaria und Diarrhöe); Medizinalpflanzen und ihre Anwendung; Soziologie der HeilerInnen und ihrer PatientInnen; das Werden, die soziale Rolle und die kulturelle Funktion der HeilerInnen; Ursachenkonzepte und Vorstellungen von Krankheit und Kranksein; Haushalt- und Familienmedizin ( = Laiensektor); die "Krankenrolle" respektive "-karriere"; Minahasa-Symbolismus, -Mythologie und vorchristliche Glaubensvorstellungen betreffend traditionelle Minahasa-Medizin; Interaktionen HeilerIn-PatientIn; Minahasa-spezifische Formen des Krankseins (sogenannte "gesandte Dorfkrankheiten").
- Erforschung der medizinischen Realität von ländlichen Dorfgemeinschaften in einem medizinischen Pluralismus (bestehend aus einem volkstümlichen, einem Laien- und einem professionalisierten Medizinsektor), unter anderem: Gesundheitsverhalten allgemein, Ursachenvorstellungen und Therapieverhalten von Erwachsenen am Beispiel von dreizehn ausgewählten Krankheiten; Faktoren, die das "Health Seeking Behaviour" von Erwachsenen beeinflussen (zum Beispiel Geldkosten, Transport, soziale Kontrolle, individuelle Erfahrungen); "decision making" bei Therapiewahl von Müttern von erkrankten Kindern unter fünf Jahren; Einfluss der christlichen Lehren (inklusive von protestantischen Sekten) auf das Gesundheitsverhalten; Verhaltensweise von Primary Health Care-Personal im Dorf und Arbeitsweise von dörflichen Gesundheitskadern betrachten; der Einfluss von Primary Health Care-Programmen auf das Gesundheitsverhalten der Dorfbevölkerung; Auswirkungen des freien Verkaufs von Medikamenten in den Dörfern; Einstellung und Meinung der Bevölkerung über Primary Health Care und moderne Medizin.
- Erforschung von entwicklungsorientierten Massnahmen, unter anderem: ein verbesserter Gebrauch (inklusive Anbau) von Medizinalpflanzen; Aufklärung über "Patienten-unfreundliche" Praktiken von Heilern, vor allem im therapeutischen Bereich; eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen HeilerInnen und MedizinerInnen/ParamedizinerInnen auf Dorfebene; "institution building" für eine HeilerInnen-Vereinigung; Primary Health Care-Programme aus der Sicht der "betroffenen" Dorfbevölkerung studieren und Ergebnisse davon den GesundheitsplanerInnen vermitteln.
Der Ansatz dieser Forschung basiert auf den Grundsätzen und Erkenntnissen der Medizinethnologie. Sie betont eine emische Vorgehensweise bei einer Forschung, die zum Beispiel untersucht, was die betreffenden Leute über Wohlbefinden und Kranksein denken, wie sie sich im Kranhheitsfalle verhalten, wie sie ihre medizinische Realität empfinden oder wie sie neue biomedizinische Programme in ihren Dörfern beurteilen. Diese "insider view" respektive das subjektive Empfinden und die persönliche Erfahrung eines Individuums oder einer sozialen Einheit (zum Beispiel Familie, Haushalt) werden bei diesem Ansatz zur Schlüsselstelle zur Erforschung von "culture bound" Vorstellungen und Verhalten. Das Forschungsvorgehen orientiert sich dabei im professionalisierten Medizinsektor an der "users' view", das heisst vor allem an den Verhaltens- und Denkweisen von BenützerInnen von Gesundheitsmassnahmen, und weniger an deren AnbieterInnen oder PlanerInnen.
Results
Im Zuge der gesundheitspolitischen Wende, die sich in der WHO-Konferenz von Alma Ata 1978 und dem Konzept der Primary Health Care (PHC) abzeichnete, wurde auch bei den Minahasa in Nord-Sulawesi, Indonesien, die Professionalisierung der Basisgesundheitsversorgung eingeleitet. Dabei blendeten die PlanerInnen die bereits seit langem existierende volkstümliche Gesundheitsversorgung fast gänzlich aus ihrem Gesichtsfeld aus. Dieses langfristige, medizinethnologische Forschungsprojekt soll diese verkürzte Perspektive erweitern und dazu beitragen, den Blick für eine ganzheitliche Basisgesundheitsversorgung zu öffnen. Erste Ergebnisse zeigen, dass für die HeilerInnen beziehungsweise für die PatientInnen der Minahasa die ganzheitliche Basisgesundheitsversorgung seit langem eine realistische Perspektive ist.
- Die "quality of care" von "Primary Health Care"-Programm ist meist schlecht und deren "equity"-Grad in Gemeinschaften unbefriedigend.
- Der populäre Gesundheitssektor: weitgehend unbetrachtet von Gesundheitsplanern.
- Kulturspezifische Vorstellungen von Krankheit und Gesundheit und "modernes" System und Nutzungsfaktoren prägen das Krankheitsverhalten von Laien.
- Die Perspektive der Nutzer von Gesundheitsangeboten: auch selten in Betracht gezogen!
- Der Einfluss von Medikamenten auf das Krankheitsverhalten von Laien wird völlig unterschätzt von Schutzmedizinern.
- Eine schulmedizinische Therapie wird bei den meisten Erkrankungen als dritte oder vierte Option angewandt.
Methods (description)
Grundgesamtheit: 3 Dörfer mit 764, 498 + 421 Einwohnern respektive 148, 80 + 77 Haushalten.
Bevölkerungsgruppe: gesamte ansässige Bevölkerung der 3 Dörfer.
Untersuchungseinheit: A) Haushalte und ihre Mitglieder ab 16 Jahren; B) Mütter von Kleinkindern bis 5 Jahren; C) HeilerInnen und ihre PatientInnen; D) Dorfgesundheitskader und Dorfhebammen; E) MedizinerInnen und ParamedizinerInnen bei Dorfbesuchen; F) Erkrankte Kinder und Erwachsene in den 3 Dörfern; G) VerkäuferInnen von Medikamenten in Dorfläden.
Zeitbezug: A, B, G einmalige Erhebung (1991, 1992; Dauer je 2 Wochen pro Dorf); D, E periodisch (1990, 1991, 1992, 1993; D: jeden Monat 1x, E: bei jedem Dorfbesuch; erste Erhebung Dezember 1990, letzte November 1993); C, F periodisch (C: Häufigkeit 2x pro Monat; 1990-1993; F: Beginn – Ende = Krankseinsbeginn – individuelles Wohlbefinden; 1991, 1992).
Auswahlverfahren: Stichprobe ("systematic random sampling" anhand einer "random numbers"-Liste; A: Quotenanteil der Dorfquartiere gemäss ihrem Anteil an der Dorfgesamtbevölkerung; B: alle eingeschriebenen Kleinkinder zwischen ihrer Geburt und 5 Jahren); Vollerhebung (bei C, D, E, G, da ExpertInnen und InformationsträgerInnen); pragmatische Auswahl (F: je nach Krankheit/Symptomen und zwischenmenschlichem Zugang).
Anzahl der Untersuchungseinheiten: A: 37%; B: 50%; C, D, E, G: 100%; F: durchschnittlich 5 "Fälle" pro Dorf.
Datenerhebung, Informationsbeschaffung: Befragung (schriftlich und direkt mündlich; standardisiert, halb- und nicht standardisiert; offene und geschlossene Fragen; Einzel- und Gruppenbefragung; mit InformantInnensystem); Test (schriftlich); teilnehmende Beobachtung (direkt; durch InformantInnen; versteckt) und Bearbeitung vorhandener Daten und Dokumenten (historische Dokumente der Kolonialzeit in Archiven und Bibliotheken; statistische Jahrbücher von Staatsadministration, Spitälern und privaten Organisationen; Jahresrapporte von Dorfchefs, Gesundheitskadern und Gesundheitszentren).
Datenerhebung: durch ForscherIn, ad hoc engagierte lokale Interviewer und zusätzliche einheimische Forschungsgruppe (2 Leute während insgesamt 3 Tagen pro Dorf).
Analysemethoden: Inhaltsanalyse (qualitativ); statistische Analyse (prozentuale Verteilung, Korrelieren von Einzeldaten); qualitative Methode ("causal maps", "flow charts", Entscheidungsbäume und -tabellen, Taxonomietabellen, Korrelationstabellen).
Methods (instruments)
Replicated study No
Publications
  • Van Eeuwijk, Peter. 1995. Basisgesundheitversorgung in Indonesien: Fansidar, Ingwersaft und die Seelen der Vorfahren. In: Mosquito, Vol. 6, August 1995, 8-10.
  • Van Eeuwijk, Peter. 1995. Health Behavior, Tradition and Environmental Change in Sulawesi. In: Indonesien Environmental History Newsletter, Vol. 6, Dez. 1995, 5-7.
  • Van Eeuwijk, Peter. 1995. Geister, Dämonen und Seelen stören die Minahasa in Indonesien. In: Keller, Frank Beat (Hsg). Krank warum? Vorstellungen der Völker, Heiler, Mediziner. Cantz Verlag, Stuttgart, 1995, S. 144-149.
  • Van Eeuwijk, Peter. 1995. Traditionelle und moderne Medizin: unvereinare Gegensätze?. In: Vielfalt, Gesellschaft für bedrohte Völker, Schweiz, Vol. 17, Nov. 1995, 4-5.
  • Obrist van Eeuwijk, Brigit; Van Eeuwijk, Peter. 1993. Professionalisierte und volkstümliche Basisgesundheitsversorgung bei den Minahasa (Nord-Sulawesi, Indonesien): Konkurrenz oder Ergänzung?. In: Ethnologica Helvetica, Vol. 17/18, 1993/94, S. 435-457.
  • Van Eeuwijk, Peter. Diese Krankheit passt nicht zum Doktor: medizinethnologische Untersuchungen bei den Minahasa (Nordsulawi, Indonesien). Basler Beiträge zur Ethnologie, vol. 40 / Wepf, Basel [etc.].
Unpublished documents
  • Van Eeuwijk, Peter. 1992. Schlussbericht der medizinethnologischen Forschung in Indonesien 1990-1992. Schweizerischer Nationalfonds, Forschungskommission der Universität Basel, Basel, 1992.
  • Van Eeuwijk, Peter. 1988. Traditional medicine in Minahasa. A report of an investigation about the traditional medicine in Kab. Minahasa. Nachdiplomstudium für Entwicklungsländer - NADEL, ETH Zürich, Prop. Sulawesi Utara, Indonesia (1987/88), Zürich, 1988.
Financed by
Ethical approval No
Study type
Data availability
Source (Updates) Web
Date created 22.05.2013
Date modified 22.05.2013
Start - End date 01.11.1990 - 28.06.1997